Siebentes Gesicht

Das Gebot, diese Gesichte geheim zu halten

Am dritten Tage, als ich unter einer Eiche saß, siehe, da kam eine Stimme aus einem Dornbusch mir gegenüber hervor; die sprach: Esra! Esra! Ich sprach: Hier bin ich, HERR! Und ich erhob mich und trat auf meine Füße. Da sprach er zu mir: Ich habe mich schon einmal am Dornbusch offenbart und habe zu Mose geredet, als mein Volk in Ägypten dienstbar war. Damals habe ich ihn ausgesandt, habe mein Volk aus Ägypten geführt und es dann an der Berg Sinai gebracht. Daselbst behielt ich ihn viele Tage bei mir; ich teilte ihm viel Wunderbares mit, zeigte ihm die Geheimnisse der Zeiten, und wies ihm das Ende der Stunden. Dann habe ich ihm also befohlen: Diese Worte sollst du veröffentlichen, jene geheimhalten. Nun aber sage ich dir: Die Zeichen, die ich dir offenbart, die Träume, die du gesehen, und die Deutungen, die du gehört, die bewahre in deinem Herzen!

Ankündigung der Entrückung

Du aber sollst aus den Menschen entrückt werden und wirst fürderhin bei meinem Sohn und bei deinen Genossen verweilen, bis die Zeiten um sind. Denn die Welt hat ihre Jugend verloren, die Zeiten nähern sich dem Alter.

Denn in zwölf Teile ist die Weltgeschichte geteilt; gekommen ist sie bereits zum zehnten, zur Hälfte des zehnten; überbleiben aber zwei nach der Hälfte des zehnten. Nun also bestelle dein Haus, ermahne dein Volk; tröste seine Geringen, lehre seine Weise. Du selber entsage dem vergänglichen Leben, laß fahren die sterblichen Sorgen; wirf ab die Bürde der Menschlichkeit, zieh aus die schwache Natur; laß die quälenden Fragen beiseite und eile, hinüber zu wandern aus dieser Zeitlichkeit! Denn viel schlimmere Leiden, als die du selber erlebst hast, sollen noch geschehen. Denn je schwächer die Welt vor Alter wird, um so mehr wird der Leiden, die über ihre Bewohner ergehen. Die Wahrheit muß sich noch mehr entfernen und die Lüge sich nähern. Denn schon eilt der Adler heran, den du im Gesicht gesehen hast.

Gebet um Wiederherstellung der heiligen Schriften nebst der göttlichen Antwort

Ich antwortete und sprach: Laß mich, HERR, vor dir sprechen! Ich scheide jetzt, wie du mir befohlen, und will das Volk, das jetzt lebt, noch einmal unterweisen. Aber die später Geborenen, wer wird die belehren? Denn die Welt liegt in Finsternis, ihre Bewohner sind ohne Licht. Denn dein Gesetz ist verbrannt; so kennt niemand deine Taten, die du getan hast und die du noch tun willst. Wenn ich also Gnade vor dir gefunden habe, so verleihe mir den heiligen Geist, daß ich alles, was seit Anfang in der Welt geschehen ist, niederschreibe, wie es in deinem Gesetz geschrieben stand, damit die Menschen deinen Pfad finden, und damit, die das ewige Leben begehren, es gewinnen können.

Er antwortete mir und sprach: Wohlan, so versammle das Volk und sage zu ihnen, sie sollten dich vierzig Tage lang nicht suchen. Du aber mache dir viele Schreibtafeln fertig; nimm zu dir Saraja, Dabria, Selemia, Ethan und Asiel, diese fünf Männer, denn sie verstehen schnell zu schreiben, und dann komm hierher. So will ich in deinem Herzen die Leuchte der Weisheit entzünden, die nicht erlöschen wird, bis zu Ende ist, was du schreiben sollst. Wenn du aber damit fertig bist, so sollst du das Eine veröffentlichen, das Andere aber den Weisen im Geheimen übergeben. Morgen um diese Zeit sollst du mit Schreiben beginnen.

Esras letzte Worte

So ging ich hin, wie er mir befohlen, versammelte alles Volk und sprach: Höre, Israel, diese Worte: Unsere Väter sind am Anfang Fremdlinge in Ägypten gewesen und von dort erlöst worden. Da empfingen sie das Gesetz des Lebens, aber hielten es nicht; und auch ihr nach ihnen habt es übertreten. Dann ward euch das Land zum Erbe gegeben im Gebiete von Zion; aber ihr und eure Väter tatet Sünde und bliebt nicht auf den Wegen, die euch der Höchste befohlen. Weil er aber ein gerechter Richter ist, nahm er euch zu seiner Zeit wieder, was er geschenkt. Und nun seid ihr an diesem Ort, und eure Brüder sind noch tiefer im Lande drinnen. Wenn ihr also euren Trieben Befehl gebt und eure Herzen in Zucht nehmt, so werdet ihr zu Lebzeiten bewahrt bleiben und nach dem Tode Gnade erlangen. Denn es gibt ein Gericht nach dem Tod, wann wir zu neuem Leben gelangen; da wird der Name der Gerechten kund, der Frevler Taten werden offenbar. Zu mir komme niemand; man soll mich vierzig Tage lang nicht suchen.

Die Wiederherstellung der heiligen Schriften

So nahm ich die fünf Männer mit mir, wie er mir befohlen; wir gingen aufs Feld und blieben daselbst. Am folgenden Tag aber, horch, da rief mir eine Stimme zu also: Esra, tu den Mund auf und trinke, womit ich dich tränke! Da tat ich den Mund auf, und sieh, ein voller Kelch ward mir gereicht; der war gefüllt wie von Wasser, dessen Farbe aber dem Feuer gleich war. Den nahm ich und trank; und als ich getrunken, entströmte meinem Herzen Einsicht, meine Brust schwoll von Weisheit, meine Seele bewahrte die Erinnerung.

Da tat sich mir der Mund auf und schloß sich nicht wieder zu. Der Höchste aber gab den fünf Männern Einsicht; so schrieben sie der Reihe nach das Diktierte in Zeichen auf, die sie nicht verstanden. So saßen sie vierzig Tage: sie schrieben am Tage und aßen des Nachts ihr Brot; ich aber redete am Tage und verstummte nicht des Nachts. So wurden in den vierzig Tagen niedergeschrieben vierundneunzig Bücher. Als aber die vierzig Tage voll waren, da sprach der Höchste zu mir also: Die vierundzwanzig Bücher, die du zuerst geschrieben, sollst du veröffentlichen, den Würdigen und Unwürdigen zum Lesen; die letzten siebzig aber sollst du zurückhalten und nur den Weisen deines Volkes übergeben. Denn in ihnen fließt der Born der Einsicht, der Quell der Weisheit, der Strom der Wissenschaft. So tat ich, im siebten Jahre der sechsten Woche, fünftausend Jahre drei Monate und zwölf Tage nach der Schöpfung der Welt.

Schluß des Buches

Damals ist Esra entrückt und an die Stätte seiner Genossen aufgenommen worden, nachdem er dies alles geschrieben. Er heißt der Schreiber der Wissenschaft des Höchsten in Ewigkeit.

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