Der zweite Reisebericht

Namen und Geschäfte der sechs Erzengel

Dies sind die Namen der heiligen Engel, welche wachen: Uriel ist einer der heiligen Engel, nämlich der über das Engel-Heer und den Tartarus gesetzte Engel. Raphael, heiß ein zweiter der heiligen Engel, der über die Geister der Menschen gesetzt ist; Raguel heißt ein dritter der heiligen Engel, der Rache übt an der Welt der Lichter; Michael heißt ein vierter der heiligen Engel, nämlich über den besten Teil der Menschen gesetzt, über das Volk Israel; Sariel heißt ein fünfter der heiligen Engel, der über die Geister, die gegen den Geist sündigen, gesetzt ist; Gabriel heißt ein sechster der heiligen Engel, der über das Paradies, die Schlangen und die Cherube gesetzt ist.

Der vorläufige und endgültige Strafort der gefallen Engel

Ich wanderte ringsherum, bis ich an einen Ort kam, wo kein Ding war. Dort sah ich etwas Fürchterliches: ich sah keinen Himmel oben und kein festgegründetes Land unten, sondern einen öden und grausigen Ort. Dort sah ich sieben Sterne des Himmels gefesselt und in ihn hineingestoßen, wie große Berge, und brennend im Feuer. Darauf sprach ich: Um welcher Sünde willen sind sie gebunden, und weshalb sind sie hierher verstoßen? Da sagte zu mir Uriel, einer von den heiligen Engeln, der bei mir war und ihr Führer ist, und sprach: Henoch, weshalb fragst du und weshalb bekümmerst du dich eifrig, die Wahrheit zu erfahren? Dies sind diejenigen Sterne des Himmels, die den Befehl GOTTES übertreten haben, und sie sind hier gebunden, bis zehntausend Jahre, die Zeit ihrer Sünde vollendet sind.

Von da ging ich weiter an einen anderen Ort, der noch grausiger als jener war. Ich sah dort etwas Schreckliches: ein großes Feuer war dort, das loderte und flammte; der Ort hatte Einschnitte bis zum Abrund und war ganz voll von großen herabfahrenden Feuersäulen. Seine Ausdehnung und Breite konnte ich nicht erblicken, noch war ich imstande, sie zu ermitteln. Da sagte ich: Wie schrecklich ist dieser Ort und wie fürchterlich, ihn anzuschauen! Da antwortete mir Uriel, einer von den heiligen Engeln, der mit mir war, und sagte zu mir: Henoch, warum fürchtest du dich und erschrickst du so? Ich antwortete: Wegen dieses schrecklichen Ortes und wegen dieses gräßlichen Anblicks. Da sprach er zu mir: Dieser Ort ist das Gefängnis der Engel, und hier werden sie bis in Ewigkeit gefangen gehalten.

Die vierteilige Unterwelt im Westen

Von hier ging ich weiter an einen anderen Ort, und er zeigte mir im Westen ein großes und hohes Gebirge und starre Felsen.. Vier geräumige Plätze befanden sich in ihm dem Gebirge, in die Tiefe und Breite sich erstreckend und sehr glatt; drei von ihnen waren dunkel und einer hell, und eine Wasserquelle befand sich in seiner Mitte. Da sagte ich: Wie glatt sind diese Hohlräume, wie tief und dunkel für den Anblick! Da antwortete mir Raphael, einer von den heiligen Engeln, der bei mir war, und sagte zu mir: Diese hohlen Räume sind dazu bestimmt, daß sich zu ihnen die Geister der Seelen der Verstorbenen versammeln. Dafür sind sie geschaffen, damit sich hier alle Seelen der Menschenkinder versammeln. Diese Plätze hat man zu Aufenthaltsorten für sie gemacht bis zum Tag ihres Gerichts, bis zu einer gewissen Frist und festgesetzten Zeit, zu der das große Gericht über sie stattfinden wird.

Ich sah den Geist eines verstorbenen Menschenkindes klagen, und seine Stimme drang bis zum Himmel und klagte. Da fragte ich den Engel Raphael, der bei mir war, und sagte ihm: Wem gehört dieser klagende Geist an? Wessen ist die Stimme da, die bis zum Himmel dringt und klagt? Da antwortete er mir und sagte: Dieser Geist ist der, der von Abel ausging, den sein Bruder Kain erschlug, und er Abel klagt über ihn, bis seine Nachkommenschaft von der Oberfläche der Erde hinweggetilgt ist, und seine Nachkommen unter den Nachkommen der Menschen verschwunden sind. Da fragte ich den Engel in betreff all der Hohlräume und sagte: Weshalb ist einer vom anderen getrennt? Er antwortete mir und sagte: Diese drei Räume sind gemacht, um die Geister der Toten zu trennen; und so ist eine besondere Abteilung gemacht für die Geister der Gerechten da, wo eine helle Wasserquelle ist. Ebenso ist ein besonderer Raum für die Sünder geschaffen, wann sie sterben und in die Erde begraben werden, und ein Gericht bei ihren Lebzeiten über sie nicht eingetroffen ist. Hier werden ihre Geister für diese große Pein abgesondert bis zum großen Tage des Gerichts, der Strafen und der Pein für die bis in Ewigkeit Verdammten, und der Vergeltung für ihre Geister; dort bindet er sie bis in Ewigkeit. Ebenso ist eine besondere Abteilung für die Geister der Klagenden, die über ihren Untergang Kunde geben, da sie in den Tagen der Sünder umgebracht wurden. Diese Abteilung ist so geschaffen für die Geister der Menschen, die nicht gerecht, sondern Sünder, oder ganz und gar gottlos und Genossen der Bösen waren; ihre Geister werden am Tage des Gerichts nicht bestraft werden, aber sie werden auch nicht von hier mit aufgeweckt werden. Da pries ich den HERRN der Herrlichkeit und sagte: Gepriesen bist du, oh HERR, du gerechter Herrscher der Welt!

Fortsetzung der Reise nach Westen

Von dort ging ich weiter an einen anderen Ort in der Richtung nach Westen bis zu den Enden der Erde. Ich sah ein loderndes Feuer, das rastlos hin und her lief und von seinem Laufe weder bei Tage noch bei Nacht abließ, sondern sich gleichblieb. Da fragte ich, indem ich sagte: Was ist dies da, das keine Ruhe hat? Darauf antwortete mir Raguel, einer von der heiligen Engeln, der bei mir war, und sagte zu mir: Dieses rotierende Feuer, das du in der Richtung nach Westen gesehen hast, ist das Feuer, das alle Lichter des Himmels in Bewegung setzt.

Von dort ging ich weiter an einen anderen Ort der Erde, und er zeigte mir ein Gebirge von Feuer, das Tag und Nacht brennt. Ich ging jenseits desselben und sah sieben herrliche Berge, einen jeden vom anderen verschieden; ferner herrliche und schöne Steine, und jeder war herrlich und prächtig an Aussehen und von schönem Äußeren: drei von den Bergen lagen gegen Osten, einer über dem anderen befestigt, drei gegen Süden, einer über dem anderen, und dazwischen tiefe, gewundene Schluchten, von denen keine an die andere grenzte. Der siebente Berg lag zwischen diesen und einem Thronsitz ähnlich überragte er alle an Höhe; es bedeckten ihn rings wohlriechende Bäume. Unter ihnen befand sich ein Baum, wie ich noch niemals einen gerochen hatte. Weder einer von ihnen, noch andere Bäume waren ihm gleich. Er verbreitete mehr Duft als alle Wohlgerüche; seine Blätter und Blüten und sein Holz welken nimmermehr, seine Früchte aber sind wie die Trauben der Palme. Da sprach ich: Wie schön ist dieser Baum und wie wohlriechend und lieblich seine Blätter und wie sehr ergötzlich seine Blüten für den Anblick! Darauf antwortete mir Michael, einer von der heiligen und geehrten Engeln, der bei mir war, ihr Führer, und sagte zu mir:

Henoch, was fragst du mich und wunderst dich über den Geruch dieses Baumes und suchst die Wahrheit zu erfahren? Da antwortete ich, Henoch, ihm, indem ich sagte: Über alles möchte ich etwas erfahren, ganz besonders aber über diesen Baum. Er antwortete mir, indem er sprach: Dieser hohe Berg, den du gesehen hast, dessen Gipfel dem Throne GOTTES gleicht, ist sein Thron, wo der große Heilige, der HERR der Herrlichkeit, der König der Welt, sitzen wird, wenn er herabkommt, um die Erde mit Gutem heimzusuchen. Diesen wohlriechenden Baum hat kein Fleisch die Macht anzurühren, bis zu dem großen Gericht, an welchem er an allen Rache nimmt, und die Vollendung für immer stattfindet; dann wird er den Gerechten und Demütigen übergeben werden. Seine Frucht wird den Auserwählten zum Leben dienen, und er wird zur Speise an den heiligen Ort bei dem Hause GOTTES, des Königs der Ewigkeit, verpflanzt werden. Dann werden sie sich überaus freuen und fröhlich sein und in das Heiligtum eingehen, indem sein Duft ihre Gebeine erfüllt. Sie werden ein längeres Leben auf Erde führen, als das welches deine Väter gelebt haben, und in ihren Tagen wird weder Trübsal noch Leid, oder Mühe und Plage sie berühren. Da pries ich den HERRN der Herrlichkeit, den König der Ewigkeit, daß er solches für die gerechten Menschen zubereitet, solches geschaffen und verheißen hat, es ihnen zu geben.

Die Reise nach der Mitte der Erde

Von hier ging ich nach der Mitte der Erde und sah einen gesegneten Ort, wo sich Bäume befanden mit Zweigen, die aus einem abgehauenen Baume hervortrieben und sproßten. Dort schaute ich einen heiligen Berg und unterhalb des Berges ein Wasser, das östlich davon in der Richtung nach Süden floß. Gegen Osten sah ich einen anderen Berg, höher als diesen, und zwischen beiden eine tiefe, aber nicht breite Schlucht; auch durch sie strömte ein Wasser unterhalb des Berges. Westlich von diesem war ein anderer Berg, niedriger als jener und nicht hoch; zwischen ihnen war ein tiefe und trockene Schlucht und eine andere tiefe und trockene Schlucht befand sich am Ende von den drei Bergen. Alle Schluchten sind tief und aus starrem Felsgestein; kein Baum ist in ihnen gepflanzt. Ich wunderte mich über die Felsen, staunte über die Schlucht und verwunderte mich sehr.

Da sagte ich: Wozu ist dieses gesegnete Land, das ganz voll von Bäumen ist, und wozu ist diese verfluchte Schlucht dazwischen? Da antwortete mir Uriel, einer von den heiligen Engeln, der bei mir war, und sagte zu mir: Diese verfluchte Schlucht ist für die bis in Ewigkeit Verfluchten bestimmt; hier werden versammelt alle die, welche mit ihrem Mund unziemliche Reden gegen GOTT führen und über seine Herrlichkeit frech sprechen. Hier werden sie gesammelt, und hier ist ihr Aufenthaltsort. In der letzten Zeit werden sie zum Schauspiel eines gerechten Gerichts vor den Gerechten dienen bis in alle Ewigkeit; hier werden die, welche Erbarmung fanden, den HERRN der Herrlichkeit, den König der Ewigkeit, preisen. In den Tagen des Gerichts über sie, die Gottlosen, werden sie, die Gerechten, ihn preisen wegen der Barmherzigkeit, die er ihnen erwiesen hat. Da pries ich den HERRN der Herrlichkeit und verkündete seinen Ruhm und stimmte einen geziemenden Lobgesang an.

Die Reise nach Osten

Von hier ging ich in der Richtung nach Osten mitten in das Gebirge der Wüste und ich sah eine Steppe und vereinsamte Gegend, voll von Bäumen. Aus ihren Samenfrüchten rieselte Wasser von oben herab; es erschien wie ein reichlich fließender Wasserstrom, der, wie nach Norden so nach Westen, von allen Seiten her Wasser und Tau heraufführt.

Von dort ging ich an einen anderen Ort in der Wüste und machte mich auf in der Richtung nach Osten von jenem Gebirge. Ich sah Duftbäume duftend von Weihrauch und Myrrhe, und die Bäume ähnelten Mandelbäumen.

Danach ging ich weiter nach Osten zu und sah einen anderen großen Platz und eine Wasserschlucht; auf ihm befand sich auch ein Baum, der das Aussehen von Würzbäumen hatte, ähnlich dem Mastix. An den Seiten jener Täler sah ich den wohlriechenden Zimtbaum; danach ging ich weiter nach Osten und sah andere Berge und auf ihnen Haine von Bäumen, aus denen Nektar floß, den man auch Balsam und Galbanum nennt. Hinter jenen Bergen sah ich einen anderen Berg im Osten der Enden der Erde, und auf ihm befanden sich Aloebäume; alle Bäume waren voll von Ladanum ähnlichen Mandeln. Wenn man jene Frucht zerreibt, übertrifft sie an Duft alle Gerüche.

Nach diesen Wohlgerüchen sah ich, als ich nach Norden über die Berge hinblickte, sieben Berge voll von köstlicher Narde, Mastix, Zimt und Pfeffer. Von da ging ich über die Gipfel aller jener Berge hin fern nach dem Osten der Erde und zog weiter über das Erythräische Meer und ich entfernte mich weit von diesem und zog über den Zotiel. Da kam ich in den Garten der Gerechtigkeit und schaute fern von jenen Bäumen viele und große Bäume, die dort wuchsen, wohlduftend, groß, sehr schön und herrlich und ich sah den Baum der Weisheit, von dessen Frucht die Heiligen essen und großer Weisheit kundig werden. Jener Baum gleicht dem Wuchs nach einer Fichte; sein Laub ähnelt dem des Johannisbrotbaumes; seine Frucht ist wie die Weintraube, sehr gut. Der Duft jenes Baumes verbreitet sich und dringt weithin. Da sagte ich: Wie schön ist dieser Baum, und wie ergötzlich sein Anblick! Da antwortete mir der heilige Engel Raphael, der bei mir war, und sagte zu mir: Dies ist der Baum der Weisheit, von dem dein greiser Vater und deine betagte Mutter, die vor dir waren, gegessen haben; da erkannten sie die Weisheit, und ihre Augen wurden aufgetan, und sie erkannten, daß sie nackt waren, und wurden aus dem Garten fortgetrieben. Von da ging ich weiter bis an die Enden der Erde und sah dort große Tiere, eines vom anderen verschieden; auch Vögel sah ich, verschieden nach Aussehen, Schönheit und Stimme, einen vom anderen verschieden. Östlich von diesen Tieren sah ich die Enden der Erde, worauf der Himmel ruht, und die Tore des Himmels waren offen. Ich sah, wie die Sterne des Himmels hervorkommen, zählte die Tore, aus denen sie hervorkommen, und schrieb alle ihre Ausgänge auf und zwar von jedem einzelnen Stern besonders, nach ihrer Zahl, ihren Namen, Verbindungen, Stellungen, Zeiten und Monaten, so wie der Engel Uriel, der bei mir war, es mir zeigte. Er zeigte mir alles und schrieb es auf; auch ihre Namen schrieb er für mich auf, ebenso ihre Gesetze und Verrichtungen.

Die Reise nach Norden

Von da ging ich in der Richtung nach Norden an den Enden der Erde hin und dort sah ich ein großes und herrliches Wunder an den Enden der ganzen Erde. Hier sah ich drei offene Himmelstore am Himmel; durch jedes derselben kommen Nordwinde hervor. Wenn sie wehen, gibt es Kälte, Hagel, Reif, Schnee, Tau und Regen. Aus dem einen Tore wehen sie zum Guten; wenn sie aber durch die zwei anderen Tore wehen, geschieht es mit Heftigkeit, und es kommt dann Not über die Erde, wenn sie heftig wehen.

Von da ging ich in der Richtung nach Westen an den Enden der Erde hin und ich sah dort drei offene Tore, so wie ich sie Osten sah, die gleichen Tore und Ausgänge sah ich.

Die Reise nach Süden

Von da ging ich in der Richtung nach Süden an den Enden der Erde hin und ich sah dort drei offene Himmelstore; daraus kommt der Südwind hervor, sowie Tau und Regen und Wind. Von da ging ich weiter in der Richtung nach Osten an den Enden der Erde hin und ich sah dort die drei östlichen Himmelstore geöffnet, und über ihnen befanden sich kleine Tore. Durch jedes jener kleiner Tore gehen die Sterne des Himmels hindurch und wandeln gegen Westen auf dem Wege, der ihnen gezeigt ist. Als ich es sah, pries ich ihn und zu jeder Zeit preise ich den HERRN der Herrlichkeit, der die großen und herrlichen Wunderwerke geschaffen hat, um die Größe seines Werkes seinen Engeln und den Seelen der Menschen zu zeigen, damit sie sein Werk und seine ganze Schöpfung preisen, damit sie das Werk seiner Macht sehen und das große Werk seiner Hände preisen und ihn rühmen bis in Ewigkeit.

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