Das Geschichtsbuch

Das erste Traumgesicht

Und nun, mein Sohn Methusalah, will ich dir alle meine Gesichte zeigen, die ich geschaut habe, indem ich sie vor dir erzähle. Zwei Gesichte schaute ich, bevor ich ein Weib nahm. Das eine davon war dem anderen unähnlich. Zum ersten Male, als ich die Schrift lernte, und zum anderen Male, bevor ich deine Mutter nahm, sah ich ein schreckliches Gesicht und um ihretwillen flehte ich zum HERRN. Als ich mich im Hause meines Großvaters Mahalalel niedergelegt hatte, schaute ich im Gesichte, wie der Himmel zusammenbrach, schwand und zur Erde niederfiel. Als er aber zur Erde niederstürzte, sah ich, wie die Erde in einem großen Abgrunde verschlungen wurde, Berge auf Berge niederragten, Hügel auf Hügel sich niedersenkten, hohe Bäume von ihren Stammwurzeln sich losrissen, hinabwirbelten und in der Tiefe versanken. Darauf drang eine Rede in meinen Mund, und ich erhob meine Stimme, indem ich schrie und sagte: Untergegangen ist die Erde! Da weckte mich mein Großvater Mahalalel auf, da ich bei ihm lag, und sagte: Warum schreist du so, mein Sohn, und warum jammerst du so? Da erzählte ich ihm das ganze Gesicht, das ich geschaut hatte, und er sagte zu mir: Was du gesehen hast, mein Sohn, ist schrecklich, und dein Traumgesicht ist von hoher Bedeutung für die Geheimnisse aller Sünden der Erde: sie muß in den Abgrund hinuntersinken und einen großen Untergang erleiden. Und nun, mein Sohn, erhebe dich und flehe zu dem HERRN der Herrlichkeit - da du gläubig bist -, daß ein Rest auf Erden übrig bleibe, und er nicht die ganze Erde vertilge. Alles dies, mein Sohn, wird vom Himmel her über die Erde kommen, und eine große Zerstörung wird auf Erden stattfinden. Darauf erhob ich mich, betete und flehte und schrieb mein Gebet für die Geschlechter der Erde nieder, und ich will dir alles, mein Sohn Methusalah, zeigen. Als ich unten ins Freie getreten war und den Himmel sah und die Sonne im Osten aufgehen und den Mond im Westen untergehen und einige Sterne und die ganze Erde und alles, wie er es von Anfang an bestimmt hat, da pries ich den HERRN des Gerichts und erhob ihn, weil er die Sonne aus den Fenstern des Ostens aufgehen ließ, daß sie an der Außenseite des Himmels aufsteigt, aufgeht, aufbricht und den Pfad zieht, der ihr gezeigt ist.

Ich erhob meine Hände in Gerechtigkeit und pries den großen Heiligen und redete mit dem Odem meines Mundes und mit der Fleischeszunge, die GOTT den Kindern des Menschenfleisches gemacht hat, daß sie damit untereinander reden, und er gab ihnen den Odem, die Zunge und den Mund, daß sie damit untereinander reden. Gepriesen bist du, o HERR, König, groß und mächtig in deiner Größe, HERR der ganzen Schöpfung des Himmels, König der Könige und GOTT der ganzen Welt! Deine Macht, Königherrschaft und Größe bleibt in alle Ewigkeit, und deine Herrschaft durch alle Geschlechter; alle Himmel sind dein Thron in Ewigkeit und die ganze Erde der Schemel deiner Füße immerdar. Denn du hast alles geschaffen und regierst es; nichts ist dir zu schwer. Keinerlei Weisheit entgeht dir, noch wendet sie sich weg von deinem Thron oder von deinem Angesicht; du weißt, siehst und hörst alles, und da ist nichts, das vor dir verborgen wäre, denn du siehst alles. Und nun sündigen die Engel deiner Himmel, und über dem Menschenfleisch ruht dein Zorn bis zu dem Tage des großen Gerichts. Und nun, o GOTT, HERR und großer König, flehe und bitte ich, daß du mir meine Bitte erfüllst, mir eine Nachkommenschaft auf Erden übrig zu lassen und nicht alles Fleisch der Menschen zu vertilgen und die Erde nicht menschenleer zu machen, so daß ein ewiges Verderben entstünde. Und nun, mein HERR, vertilge von der Erde das Fleisch, das dich erzürnt hat; aber das Fleisch der Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit richte auf als eine ewige Samenpflanze und verbirg nicht dein Angesicht vor der Bitte deines Knechtes, o HERR!

Das zweite Traumgesicht

Danach sah ich einen anderen Traum, und ich will dir den ganzen Traum erklären, mein Sohn. Da begann Henoch und sagte zu seinem Sohn Methusalah: Zu dir, mein Sohn, will ich sprechen; höre meine Rede und neige dein Ohr zu dem Traumgesicht deines Vaters.

Bevor ich deine Mutter Edna nahm, sah ich ein Gesicht auf meinem Lager, und siehe, ein Farre kam aus der Erde hervor und jener Farre war weiß, und nach ihm kam ein weibliches Rind hervor, und zugleich mit diesem kamen zwei Rinder hervor; eines davon war schwarz und das andere rot. Jenes schwarze Rind stieß das rote und verfolgte es auf der Erde, und allsogleich vermochte ich jenes rote Rind nicht mehr zu sehen. Jenes schwarze Rind wuchs heran, und ein weibliches Rind kam zu ihm, und ich sah, wie viele Farren von ihm hervorgingen, die ihm glichen und folgten. Jene erste Kuh aber entfernte sich aus dem Gesichtskreise jenes ersten Farren, um jenes rote Rind zu suchen, und als sie es nicht fand, erhob sie sogleich ein großes Wehgeschrei und suchte es. Ich blickte hin, bis jener erste Farre zu ihr kam und sie beschwichtigte, und von jener Stunde an schrie sie nicht mehr. Darauf gebar sie einen anderen weißen Farren und nach ihm gebar sie noch viele schwarze Farren und Kühe. Ich sah in meinem Schlafe, wie jener weiße Stier gleichfalls heranwuchs und ein großer weißer Stier wurde, und von ihm gingen viel weiße Farren hervor, die ihm glichen. Sie fingen an, viele weiße Farren zu erzeugen, die ihnen glichen, einer dem andern folgend.

Weiter sah ich mit meinen Augen, während ich schlief, und ich sah den Himmel oben, und siehe, ein Stern fiel vom Himmel herab, und als er sich von seinem Fall erhoben hatte, fraß und weidete er zwischen jenen Farren. Danach sah ich, wie die großen und schwarzen Farren alle ihre Ställe, Weideplätze und Rinder wechselten und miteinander zu leben begannen. Weiter sah ich im Gesicht und zum Himmel blickend sehr viele Sterne herabfallen und sich vom Himmel zu jenem ersten Sterne herabstürzen, und sie wurden zu Farren unter jenen Rindern und weideten bei ihnen in ihrer Mitte. Als ich sie erblickte, sah ich, wie sie alle ihre Schamglieder wie die Rosse herausstreckten und auf die Kühe der Farren hinaufstiegen, und sie wurden alle trächtig und warfen Elefanten, Kamele und Esel. Alle Farren aber fürchteten sich und erschraken vor ihnen, und sie begannen mit ihren Zähnen zu beißen und zu verschlingen und mit ihren Hörnern zu stoßen. Dann begannen sie jene Farren aufzufressen, und siehe, alle Kinder der Erde fingen an, vor ihnen zu zittern, zu beben und zu fliehen.

Weiter sah ich, wie sie anfingen, einander zu stoßen und zu verschlingen, und die Erde begann zu schreien. Da erhob ich abermals meine Augen zum Himmel und sah im Gesichte, wie aus dem Himmel Wesen, die weißen Menschen glichen, hervorkamen; einer von ihnen kam aus jenem Ort hervor und drei mit ihm. Jene drei, die zuletzt hervorgekommen waren, ergriffen mich bei der Hand, nahmen mich von dem Geschlecht der Erde hinweg und brachten mich hinauf an einen hohen Ort und zeigten mir einen Turm hoch über der Erde, und alle Hügel waren niedriger. Sie sagten zu mir: Bleibe hier, bis du alles siehst, was über jene Elefanten, Kamele und Esel, über die Sterne und über alle Farren kommt.

Ich sah, wie einer von jenen vier, die vorhin herausgekommen waren, jenen Stern, der zuerst vom Himmel gefallen war, an Händen und Füßen fesselte und in einen Abrund warf; jener Abgrund aber war eng und tief, grausig und finster. Einer von ihnen zog sein SCHWERT und gab es jenen Elefanten, Kamelen und Eseln; da fingen sie an, einander zu schlagen, so daß die ganze Erde ihrethalben zitterte. Als ich im Gesichte weiter sah, siehe, da warf einer von jenen vier, die hervorgekommen waren, ...vom Himmel, und man sammelte und nahm alle jene großen Sterne, deren Schamglieder wie die Schamglieder der Rosse waren, fesselte alle an Händen und Füßen und warf sie in einen Abgrund der Erde.

Einer von jenen vier ging hin zu jenem weißen Farren und lehrte ihn ein Geheimnis, während er, der Farre, zitterte. Er war als Farre geboren worden und wurde nun ein Mensch, zimmerte sich ein großes Fahrzeug und ließ sich darin nieder, und drei Farren ließen sich mit ihm in jenem Fahrzeug nieder, und es wurde über ihnen zugedeckt. Da hob ich abermals meine Augen zum Himmel auf und sah ein hohes Dach mit sieben Schleusen daran, und jene Schleusen ließen in einen Hof viel Wasser strömen. Als ich weiter sah, siehe da öffneten sich Quellen über der Erde in jenem großen Hof, und jenes Wasser fing an, aufzuwallen und sich über die Erde zu erheben, und es ließ jenen Hof verschwinden, bis der ganze Boden von ihm mit Wasser bedeckt war. Und das Wasser, die Finsternis und der Nebel nahmen über ihm zu. Als ich die Höhe jenes Wassers betrachtete, erhob es sich über die Höhe jenes Hofes und strömte über den Hof und blieb auf der Erde stehen. Alle Farren jenes Hofs waren dicht zusammengedrängt, so daß ich sah, wie sie untersanken und verschlungen wurden und in jenem Wasser umkamen. Jenes Fahrzeug aber schwamm auf dem Wasser, während alle Farren, Elefanten, Kamele und Esel samt allem Vieh zu Boden sanken, so daß ich sie nicht mehr sehen konnte. Sie waren nicht im stande, herauszukommen, sondern kamen um und versanken in die Tiefe. Weiter sah ich im Gesichte, bis jene Schleusen von jenem hohen Dach entfernt, die Klüfte der Erde ausgeglichen wurden, und andere Abgründe sich auftaten. Das Wasser aber fing an, in sie hineinzulaufen, bis die Erde zum Vorschein kam. Jenes Fahrzeug aber setzte sich auf der Erde fest, die Finsternis wich zurück, und Licht erschien. Jener Farre aber, der ein Mann geworden war, ging mit den drei Farren aus jenem Fahrzeug heraus. Einer von den drei Farren war weiß, ähnlich jenem Farren, einer von ihnen war rot wie Blut und einer schwarz; jener weiße Farre entfernte sich von ihnen. Da fingen sie an, wilde Tiere und Vögel zu erzeugen, , so daß sich aus ihnen allen ein Haufen von Arten entwickelten: Löwen, Tiger, Hunde, Wölfe, Hyänen, Wildschweine, Füchse, Kaninchen, Schweine, Falken, Geier, Weihen, Adler und Raben; und unter ihnen wurde ein weißer Farre geboren. Alsdann fingen sie an, sich untereinander eins mit dem andern zu beißen. Jener weiße Farre aber, der von ihm gezeugt worden war, zeugte ein schwarzes Wildschwein und ein weißes Schaf, und jenes Wildschwein zeugte viele Schweine, jenes Schaf aber zeugte zwölf Schafe. Als jene Schafe herangewachsen waren, übergaben sie eins von ihnen den Eseln, und die Esel wiederum übergaben jenes Schaf den Wölfen, und so wuchs jenes Schaf unter den Wölfen auf. Da brachte der HERR die zwölf Schafe, daß sie bei ihm wohnten und bei ihm mitten unter den Wölfen weideten, und sie mehrten sich und wurden zu vielen Schafherden. Da begannen sich die Wölfe vor ihnen zu fürchten und bedrückten sie, bis sie ihre, der Schafe, Jungen umbrachten. Und sie warfen ihre Jungen in einen wasserreichen Fluß; jene Schafe aber begannen wegen ihrer Jungen zu schreien und zu ihrem HERRN zu klagen. Ein Schaf, das vor den Wölfen gerettet worden war, entfloh und entkam zu den Wildeseln; und ich sah, wie die Schafe wehklagten, schrien und ihren HERRN aus allen Kräften baten, bis jener HERR der Schafe auf das Geschrei der Schafe aus einem hohen Gemach herabstieg, zu ihnen kam und sie weidete. Da rief er jenem Schafe, das den Wölfen entronnen war, und sprach mit ihm in betreff der Wölfe, daß er sie ermahnen solle, die Schafe nicht anzurühren. Das Schaf aber ging auf Befehl des HERRN zu den Wölfen, und ein anderes Schaf traf mit jenem Schafe zusammen, ging mit ihm, und sie beide traten zusammen in die Versammlung jener Wölfe, sprachen mit ihnen und ermahnten sie, fortan die Schafe nicht anzurühren.

Darauf sah ich, wie die Wölfe die Schafe noch mehr mit aller Gewalt unterdrückten, und die Schafe schrien. Da kam ihr HERR zu den Schafen und fing an, jene Wölfe zu schlagen. Da begannen die Wölfe zu wehklagen; die Schafe aber wurden ruhig und schrien allsogleich nicht mehr. Ich sah, bis daß die Schafe von den Wölfen auszogen; die Augen der Wölfe aber wurden von Finsternis gehalten, so daß sich jene Wölfe mit aller ihrer Macht zur Verfolgung der Schafe aufmachten. Der HERR der Schafe zog als ihr Führer mit ihnen, und alle seine Schafe folgten ihm; sein Antlitz war glänzend und herrlich und furchtbar anzuschauen. Die Wölfe aber fingen an, jene Schafe zu verfolgen, bis sie sie bei einem Wassersee trafen. Jener Wassersee teilte sich, und das Wasser stand vor ihnen zu beiden Seiten; ihr HERR aber, der sie führte, trat zwischen sie und die Wölfe. Da jene Wölfe die Schafe noch nicht sahen, zogen sie in die Mitte jenes Wassersees hinein, und die Wölfe folgten den Schafen, und jene Wölfe liefen in dem Wassersee hinter ihnen her. Als sie aber den HERRN der Schafe sahen, machten sie kehrt, um vor seinem Angesicht zu fliehen. Aber jener Wassersee zog sich zusammen und nahm plötzlich seine ursprüngliche Gestalt wieder an; das Wasser schwoll und hob sich, bis es jene Wölfe bedeckten. Ich sah, daß alle Wölfe, die jene Schafe verfolgten, umkamen und versanken. Die Schafe aber entrannen jenem Wasser und gelangten in eine wasser- und graslose Wüste. Da fingen sie an, ihre Augen aufzumachen, und ich sah, wie der HERR der Schafe sie weidete und ihnen Gras gab, und wie jenes Schaf ging und sie führte. Jenes Schaf bestieg den Gipfel jenes hohen Berges, und der HERR der Schafe schickte es darauf wieder zu ihnen. Danach sah ich den HERRN der Schafe vor ihnen stehen, und sein Aussehen war furchtbar und hehr; als alle jene Schafe ihn sahen, erschraken sie vor seinem Angesicht. Sie fürchteten sich alle und zitterten vor ihm und schrien zu jenem Schafe, das bei ihnen war, das unter ihnen war: Wir können vor unserem HERRN nicht standhalten und ihn nicht ansehen! Da bestieg jenes Schaf, das sie führte, abermals den Gipfel jenes Felsens. Die Schafe aber begannen, blind zu werden und von dem Weg abzuirren, den es ihnen gezeigt hatte; jenes Schaf aber wußte nichts davon. Da wurde der HERR der Schafe sehr zornig über sie, und als jenes Schaf es erfuhr, stieg es vom Gipfel des Felsens herab, kam zu den Schafen und fand den größten Teil von ihnen verblendet und abgefallen. Als sie es sahen, fürchteten sie sich, zitterten vor ihm und verlangten, nach ihrer Herde zurückzukehren. Jenes Schaf aber nahm andere Schafe zu sich und kam zu jenen abgefallenen Schafen, darauf fing es an, sie zu töten; da fürchteten sich die Schafe vor ihm, und jenes Schaf brachte jene abgefallenen Schafe zurück, und sie kehrten zu ihren Herden zurück.

Ich sah in diesem Gesicht, daß jenes Schaf ein Mann wurde und dem HERRN der Schafe ein Hause baute und alle jene Schafe in jenes Haus eintreten ließ. Ich sah, daß jenes Schaf, das mit jenem die Schafe führenden Schafe zusammengetroffen war, entschlief. Ich sah, daß alle großen Schafe umkamen und kleinere an ihrer Stelle sich erhoben; sie kamen zu einem Weideplatz und näherten sich einem Wasserfluß. Da trennte sich jenes führende Schaf, das ein Mann geworden war, von ihnen und entschlief; alle jene Schafe suchten es und erhoben seinetwegen ein großes Geschrei. Ich sah, daß sie von dem Geschrei um jenes Schaf abließen, und sie überschritten jenen Wasserfluß, und es traten immer andere Schafe, die sie führten, an die Stelle der Entschlafenen und führten sie. Ich sah, daß die Schafe an einen Ort ins liebliche und herrliche Westjordanland kamen, und ich sah, daß jene Schafe satt wurden, und jenes Haus stand unter ihnen in dem lieblichen Lande. Manchmal waren ihre Augen offen, manchmal blind, bis sich ein anderes Schaf erhob, sie führte und sie alle zurückbrachte und ihre Augen geöffnet wurden. Die Hunde, Füchse und Wildschweine fingen an, jene Schafe zu fressen, bis der HERR der Schafe ein anderes Schaf einen Widder aus ihrer Mitte erweckte, der sie führte. Jener Widder fing an, nach beiden Seiten hin jene Hunde, Füchse und Wildschweine zu stoßen, bis er viele umgebracht hatte. Da wurden die Augen jenes Schafes geöffnet, und es sah, wie jener Widder, der unter den Schafen war, seine Würde verleugnete und jene Schafe zu stoßen anfing, sie trat und ohne Anstand wandelte. Da sandte der HERR der Schafe das Schaf zu einem anderen Schaf und stellte es als Widder und Führer an Stelle jenes Widders auf, der seine Würde vergessen hatte. Es ging zu ihm und sprach mit ihm allein und erhob es zum Widder und machte es zum Fürsten und Führer der Schafe; aber während alledem bedrängten jene Hunde die Schafe. Der erste Widder verfolgte jenen zweiten Widder; jener zweite Widder erhob sich und flüchtete vor ihm, und ich sah, daß jene Hunde den ersten Widder zu Falle brachten. Jener zweite Widder aber erhob sich und führte die Schafe, und jener Widder zeugte viele Schafe und entschlief; ein kleines Schaf aber wurde Widder an seiner Statt und Fürst und Führer jener Schafe. Jene Schafe wuchsen und mehrten sich; alle Hunde, Füchse und Wildschweine fürchteten sich und flohen vor ihm. Jener Widder aber stieß und tötete alle Raubtiere, und jene Raubtiere verübten keine Gewalt mehr unter den Schafen und raubten ihnen nichts weiter. Jenes Haus aber wurde groß und breit, und ein hoher und großer Turm wurde für jene Schafe gebaut; er wurde auf das Haus für den HERRN der Schafe gebaut. Jenes Haus war niedrig, aber der Turm war ragend und hoch, und der HERR der Schafe stand auf jenem Turm, und man setzte ihm einen vollen Tisch vor. Ich sah weiter, wie jene Schafe wiederum abfielen, auf vielerlei Wegen wandelten und jenes ihr Haus verließen.

Der HERR der Schafe aber rief einige von den Schafen und schickte sie zu den Schafen, und die Schafe fingen an, sie zu töten. Eins von ihnen rettete sich und wurde nicht getötet, entsprang und schrie über die Schafe, und sie wollten es töten; aber der HERR der Schafe rettete es aus der Gewalt der Schafe, brachte es zu mir herauf und ließ es da wohnen. Auch schickte er viele andere Schafe zu jenen Schafen, um sie zu ermahnen und über sie zu klagen. Danach sah ich, daß sie alle, als sie das Haus des HERRN der Schafe und seinen Turm verlassen hatten, abfielen und blind wurden; ich sah, wie der HERR der Schafe viel Blutvergießen unter ihnen in ihren einzelnen Herden anrichtete, daß jene Schafe solches Blutvergießen noch herausforderten und seinen Ort verließen. Da gab er sie preis den Löwen, Tigern, Wölfen, Hyänen, Füchsen und allen Raubtieren; jene Raubtiere aber fingen an, jene Schafe zu zerreißen. Ich sah, daß er jenes ihr Haus und ihren Turm verließ und sie alle den Löwen preisgab, um sie zu zerreißen und zu verschlingen, allen Raubtieren.

Da fing ich an, aus allen meinen Kräften zu schreien und den HERRN der Schafe anzurufen und ihm betreffs der Schafe Vorstellungen zu machen, daß sie von allen Raubtieren verschlungen würden. Als er es sah, blieb er ruhig und freute sich, daß sie verschlungen, gefressen und geraubt wurden, und überließ sie, um verschlungen zu werden, der Gewalt aller Raubtiere. Er rief siebzig Hirten und verstieß jene Schafe, um sie zu weiden, und sprach zu den Hirten und ihren Genossen: Jeder einzelne von euch soll von jetzt an die Schafe weiden, und alles, was ich euch befehlen werde, tut! Und ich will sie euch genau abgezählt übergeben und werde euch sagen, wer von ihnen umgebracht werden soll, - und diese bringt um! Da überließ er ihnen jene Schafe. Er rief einen anderen und sprach zu ihm: Gib acht uns siehe auf alles, was die Hirten an diesen Schafen tun werden; denn sie werden mehr unter ihnen umbringen, als ich ihnen befohlen habe. Jede Überschreitung und Vernichtung, die durch die Hirten angerichtet werden wird, schreibe auf, wie viele sie nach meinem Befehl umbringen, und wie viele sie nach ihrer Willkür umbringen, und schreibe jedem einzelnen Hirten alles, was er vernichtet, an. Lies es mir der Zahl nach vor, wie viele sie nach ihrer Willkür umbrachten und wieviel sie der Vernichtung preisgaben, damit mir dies zum Zeugnis gegen sie sei, und ich alles Tun der Hirten weiß, so daß ich, wenn ich sie abwäge, sehe, was sie tun, ob sie dem von mir gegebenen Befehle treu geblieben sind oder nicht. Aber sie sollen es nicht wissen und du sollst es ihnen nicht mitteilen, noch sie ermahnen, sondern schreibe von jedem einzelnen die Vernichtung auf, die die Hirten, ein jeder zu seiner Stunde, anrichten, und lege mir alles vor! Ich sah, bis daß jene Hirten, ein jeder zu seiner Stunde, weideten; und sie gaben jene Schafe den Löwen preis. Die Löwen und Tiger fraßen und verschlangen den größeren Teil jener Schafe, und die Wildschweine fraßen mit ihnen, und steckten jenen Turm in Brand und zerstörten jenes Haus.

Da wurde ich sehr traurig wegen jenes Turmes, weil jenes Haus der Schafe zerstört worden war, und danach konnte ich nicht mehr sehen, ob jene Schafe in jenes Haus hineingingen. Die Hirten aber und ihre Genossen übergaben jene Schafe allen Raubtieren, um sie zu fressen; jeder einzelne von ihnen empfing zu seiner Stunde eine bestimmte Zahl, und von jedem einzelnen von ihnen schrieb der andere in ein Buch, wie viele von ihnen er umbrachte. Jeder tötete und brachte mehr um, als ihnen vorgeschrieben worden war. Da begann ich wegen jener Schafe zu weinen und gar sehr zu wehklagen. In dieser Weise sah ich im Gesichte, wie jener Schreiber jeden einzelnen, der durch jene Hirten umkam, Tag für Tag aufschrieb und das ganze Buch dem HERRN der Schafe hinaufbrachte, vorlegte und alles zeigte, was sie getan und alle, die ein jeder von ihnen beseitigt hatte, und alle, die sie zur Vernichtung übergeben hatten. Das Buch wurde dem HERRN der Schafe vorgelesen, und er nahm das Buch aus einer Hand, las es, versiegelte es und legte es beiseite. Danach sah ich, wie die Hirten zwölf Stunden lang weideten, und siehe, drei von jenen Schafen kehrten zurück, kamen, traten heran und begannen alle Ruinen jenes Hauses aufzubauen; aber die Wildschweine hielten sie ab, so daß sie nichts auszurichten vermochten. Da begannen sie wiederum wie zuvor zu bauen und führten jenen Turm auf, und man nannte ihn den hohen Turm; sie begannen wiederum einen Tisch vor den Turm zu stellen, aber alles Brot auf ihm war befleckt und unrein. Trotz alledem waren die Augen dieser Schafe, und ebenso der Hirten, blind, so daß sie nicht sahen, und sie wurden in großer Menge ihren Hirten zum Umbringen übergeben, und sie traten die Schafe mit ihren Füßen und verschlangen sie. Der HERR der Schafe aber blieb ruhig, bis sich alle Schafe über das Feld zerstreuten und sich mit ihnen, den Raubtieren, vermischten; und sie, die Hirten, retteten sie nicht aus der Gewalt der Raubtiere. Jener aber, der das Buch schrieb, bracht es hinauf, zeigte und las es vor dem HERRN der Schafe, legte Fürbitte für sie ein und bat ihn, indem er ihm alles, was die Hirten getan hatten, zeigte und vor ihm gegen alle Hirten Zeugnis ablegte. Dann nahm er das Buch, legte es bei ihm nieder und ging weg.

Ich sah eine Zeitlang, bis in dieser Weise fünfunddreißig Hirten weideten, und alle vollendeten jeder seine Zeit wie die früheren, und andere bekamen sie in ihre Gewalt, um sie zu ihrer Zeit zu weiden, jeder Hirte zu seiner Zeit. Da sah ich im Gesicht alle Vögel des Himmels kommen: die Adler, Geier, Weihen und Raben; die Adler aber führten alle Vögel, und sie fingen an, jene Schafe zu fressen, ihnen die Augen auszuhacken und ihr Fleisch zu verzehren. Die Schafe aber schrien, weil ihr Fleisch von den Vögeln verzehrt wurde, und als ich es sah, wehklagte ich in meinem Schlaf über jenen Hirten, der die Schafe weidete. Ich sah, daß jene Schafe von den Hunden, Adlern und Weihen gefressen wurden, und sie ließen an ihnen weder Fleisch noch Haut noch Sehnen übrig, bis nur noch ihr Skelett dastand; aber auch ihr Skelett fiel zu Boden und so verringerten sich die Schafe. Ich sah so lange, bis dreiundzwanzig Hirten die Weide übernahmen, und sie vollendeten, je zu ihrer Zeit, dreiundzwanzig Zeiten.

Von jenen weißen Schafen aber wurden kleine Lämmer geboren, und sie fingen an, ihre Augen aufzumachen, zu sehen und zu den Schafen zu schreien. Aber die Schafe schrien ihnen nicht zu und hörten nicht, was sie ihnen erzählten, sondern waren über die Maßen taub, und ihre Augen waren überaus sehr verblendet. Ich sah im Gesichte, wie Raben auf jene Lämmer losflogen, eins von jenen Lämmern ergriffen und die Schafe zerstückelten und verschlangen. Ich sah, bis daß jenen Lämmern Hörner sproßten, und die Raben ihre Hörner niederwarfen; ich sah, bis daß ein großes Horn bei einem von jenen Schafen hervorsproßte, und ihre Augen wurden geöffnet. Es weidet sie, und ihre Augen öffneten sich, und es schrie nach den Schafen; als aber die Böcke es sahen, liefen ihm alle zu. Trotz alledem zerrissen jene Adler, Geier, Raben und Weihen immerzu die Schafe, flogen auf sie los und verschlangen sie. Die Schafe jedoch verhielten sich ruhig, aber die Böckchen wehklagten und schrien. Jene Raben kämpften und fochten mit ihm und suchten sein Horn zu beseitigen, hatten aber keine Gewalt über es. Ich sah, daß die Hirten und Adler, jene Geier und Weihen kamen, und sie schrien den Raben zu, daß die das Horn jenes Böckchens zerbrechen sollten; sie kämpften und fochten mit ihm, und es stritt mit ihnen und schrie, daß seine Hilfe ihm kommen möge. Ich sah, daß jener Mann kam, der die Namen der Hirten aufschrieb und sie dem HERRN der Schafe vorlegte, und er half jenem Böckchen und zeigte ihm alles, und daß er, um ihm zu helfen, gekommen sei. Ich sah, daß jener HERR der Schafe im Zorn zu ihnen kam, und alle, die ihn sahen, flohen, und alle fielen in Finsternis vor seinem Angesicht. Alle Adler, Geier, Raben und Weihen versammelten sich, brachten alle Schafe des Feldes mit sich, kamen alle zusammen und halfen einander, jenes Horn des Böckchens zu brechen.

Ich sah, daß jener Mann, der das Buch auf den Befehl des HERRN schrieb, jenes Buch der Vertilgung öffnete, die jene zwölf letzten Hirten angerichtet hatten, und er legte vor dem HERRN der Schafe dar, daß sie weit mehr als ihre Vorgänger umgebracht hatten. Ich sah, daß der HERR der Schafe zu ihnen kam, seinen Zornstab in die Hand nahm und die Erde schlug, so daß sie zerbarst, und alle Tiere und Vögel des Himmels glitten von jenen Schafen herunter und versanken in die Erde, die sich über ihnen schloß. Ich sah, daß den Schafen ein großes SCHWERT überreicht wurde, und die Schafe zogen gegen alle Tiere des Feldes, um sie zu töten, und alle Tiere und Vögel des Himmels flohen vor ihnen. Ich sah, bis daß ein Thron in dem lieblichen Land errichtet wurde, und der HERR der Schafe sich darauf setzte, und der andere nahm die versiegelten Bücher und öffnete jene Bücher vor dem HERRN der Schafe.

Der HERR rief jene sieben ersten Weißen und befahl, sie vor ihn zu bringen, beginnend mit dem ersten Sterne, der zuerst herausgegangen war, alle Sterne, deren Schamglieder wie die der Rosse gewesen waren, und sie brachten sie alle vor ihn. Er sprach zu jenem Manne, der vor ihm schrieb, der einer von den sieben Weißen war, und sagte zu ihm: Nimm diese siebzig Hirten, denen ich die Schafe übergeben habe, und indem sie sie nahmen, töteten sie mehr von ihnen, als ich ihnen befohlen hatte. Siehe, ich sah alle gebunden und vor ihm stehen. Das Gericht begann bei den Sternen, und sie wurden gerichtet, für schuldig befunden und kamen an den Ort der Verdammnis, und man warf sie in einen Abgrund voll Feuer, flammend und voll Feuersäulen. Auch jene siebzig Hirten wurden gerichtet, für schuldig befunden und in jenen Feuerphuhl geworfen.

Ich sah in jener Zeit, wie sich ein ähnlicher Abgrund inmitten der Erde öffnete, voll von Feuer. Man brachte jene verblendeten Schafe; alle wurden gerichtet, für schuldig befunden und in jenen Feuerphuhl geworfen und brannten; dieser Abgrund befand sich zur Rechten jenes Hauses. Ich sah jene Schafe und ihr Gebein brennen. Ich stand auf, um zu sehen, bis daß er jenes alte Haus einwickelte. Man schaffte alle Säulen hinaus; alle Balken und Verzierungen jenes Hauses wurden mit ihm eingewickelt. Man schaffte es hinaus und legte es an einen Ort im Süden des Landes. Ich sah, daß der HERR der Schafe ein neues Haus brachte, größer und höher als jenes erste, und es an dem Orte des ersten aufstellte, das eingewickelt worden war. Alle seine Säulen waren neu, auch seine Verzierungen waren neu und größer als die des ersten alten, das er hinausgeschafft hatte; und der HERR der Schafe war darin. Ich sah, wie alle übriggebliebenen Schafe und alle Tiere auf der Erde und alle Vögel des Himmels niederfielen, jene Schafe anbeteten, sie anflehten und ihnen in jedem Worte gehorchten.

Darauf nahmen mich jene drei weiß Gekleideten, die mich zuvor hinaufgebrachte hatten, bei der Hand, und indem die Hand jenes Böckchens mich ergriff, brachten sie mich hinauf und setzten mich inmitten jener Schafe nieder, bevor das Gericht begann. Jene Schafe aber waren alle weiß, und ihre Wolle war reichlich und rein. Alle die umgebracht oder zerstreut worden waren, alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels versammelten sich in jenem Hause, und der HERR der Schafe freute sich sehr, weil alle gut waren und in sein Haus zurückkehrten. Ich sah, daß sie jenes SCHWERT, das den Schafen gegeben war, niederlegten, in sein Haus zurückbrachten und es vor dem Angesicht des HERRN versiegelten. Alle Schafe wurden in jenes Haus eingeladen, und es faßte sie nicht. Aller Augen waren geöffnet, daß sie das Gute sahen, und keiner war unter ihnen, der nicht sehend gewesen wäre. Ich sah, daß jenes Haus groß, geräumig und sehr voll war. Ich sah, daß ein weißer Farre mit großen Hörnern geboren wurde. Alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels fürchteten ihn und flehten ihn an alle Zeit. Ich sah, bis daß alle ihre Geschlechter verwandelt und alle weiße Farren wurden; der erste unter ihnen wurde ein Büffel, und jener Büffel wurde ein großes Tier und bekam auf seinem Kopfe große und schwarze Hörner. Der HERR der Schafe aber freute sich sehr über sie und über alle Farren.

Ich hatte in ihrer Mitte geschlafen; da wachte ich auf uns sah alles. Dies ist das Gesicht, das ich im Schlafe sah. Als ich erwacht war, pries ich den HERRN der Gerechtigkeit und stimmte ihm einen Lobgesang an. Darauf brach ich in lautes Weinen aus, und meine Tränen hörten nicht auf, bis ich es nicht mehr auszuhalten vermochte. So oft ich hinsah, rannen sie herab wegen dessen, was ich sah. Denn alles wird eintreffen und sich erfüllen; alles Tun der Menschen ist mir der Reihe nach gezeigt worden. In jener Nacht erinnerte ich mich meines ersten Traums; auch seinetwegen weinte ich und war bestürzt, weil ich jenes Gesicht gesehen hatte.

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