Kapitel 20:

Über Reden und Schweigen zur rechten Zeit

Zurechtweisung muß zur rechten Zeit geschehen; manchmal ist es klüger zu schweigen. Es ist besser, einen anderen zur Rede zu stellen, als den Ärger in sich aufzustauen. Wer sich zu seiner Tat bekennt, dem bleibt Schaden erspart. Wer mit Gewalt das Recht durchsetzen will, gleicht einem Eunuchen, der darauf brennt, ein Mädchen zu verführen. Manchen hält man für weise, weil er nicht redet; und manchen kann man nicht leiden, weil er zuviel redet. Einer schweigt, weil er nichts zu sagen weiß; ein anderer schweigt, weil er die rechte Zeit zum Reden abwarten kann. Ein kluger Mensch schweigt bis zum richtigen Augenblick; ein Prahlhans oder Dummkopf weiß nicht, was der richtige Augenblick ist. Wer zuviel redet, den kann man nicht ausstehen. Wer Sonderrechte für sich beansprucht, macht sich verhaßt.

Widersprüchliches

Machmal hat man Glück im Unglück, und manchmal wird aus Gewinn Verlust.

Das eine Mal machst du ein Geschenk und erreichst nichts, das andere Mal bringt es dir das Doppelt ein.

Machnmal führt eine Ehrenstellung zur Degradierung, und manchmal steigt einer aus dem Nichts zu hohen Ehren auf.

Manchmal glaubt man, für wenig Geld viel bekommen zu haben, und hat doch siebenmal mehr bezahlt, als es wert war.

Ein kluger Mensch weiß sich mit ein paar Worten beliebt zu machen; aber die Liebenswürdigkeiten eines dummen Schwätzers sind vergebliche Liebesmühe.

Wenn ein unverständiger Mensch dir etwas schenkt, hast du nichts davon; denn mit einem Auge gibt er, und mit vielen Augen wartet er auf die Gegenleistung. Er gibt wenig, aber er schimpft über vieles mit lauter Stimme wie ein Marktschreier. Heute leiht er dir etwas, und morgen schon will er es zurückhaben. Solche Leute sind ekelhaft! Und dann sagt solch ein Dummkopf: Niemand mag mich! Keiner weiß meine Wohltaten zu schätzen! Sie lassen sich von mir füttern und reden schlecht von mir. Oft und viel wird über ihn gelacht.

Mit der Zunge ausgleiten ist schlimmer als auf dem Pflaster ausgleiten. Genauso schnelle gleiten die Unheilstifter aus und stürzen.

Ein Mensch ohne Benehmen gleicht einer schlecht angebrachten Geschichte, wie man sie so oft von Unwissenden Leuten hört.

Wenn ein Dummkopf ein kluges Wort zitiert, nimmt ihn niemand ernst; denn er gebraucht es nicht im richtigen Zusammenhang.

Mancher ist zu arm um zu sündigen; er kann sich mit einem ruhigen Gewissen schlafen legen.

Mancher richtet sich selbst zugrunde, weil er sich scheut, einem Dummkopf die Stirn zu bieten.

Mancher verspricht einem Freund etwas, weil er sich scheut, nein zu sagen; so macht man sich unnötig Feinde.

Lügen sind häßliche Flecken auf dem Charakter eines Menschen; aber von unverständigen Leuten hört man sie immer wieder. Ein Dieb ist nicht so schlimm wie ein Gewohnheitslügner; aber beide laufen ins Verderben. Ein Lügner hat keine Ehre im Leib, seine Schande wird er nicht mehr los.

Weisheit verpflichtet

Wer seine Worte klug gebraucht, kommt im Leben voran; ein verständiger Mensch gewinnt die Gunst seiner Vorgesetzten.

Wer seinen Acker bebaut, kann hinterher viel Getreide anhäufen; und wer die Gunst der Mächtigen hat, kann viel Unrecht abbauen.

Geschenke und Bestechungen können sogar einen Verständigen blind machen; wie ein Maulkorb verhindern sie den Tadel.

Weisheit, die man für sich behält, ist wie ein vergrabener Schatz: beide sind nutzlos. Einer, der seine Dummheit versteckt, handelt besser als einer, der seine Weisheit versteckt.

Kapitel 21:

Warnung vor dem Unrecht

Mein Sohn, hast du Unrecht begangen? Tu es nicht wieder! Und wegen deiner bisherigen Verfehlungen bitte um Vergebung! Flieh vor der Sünde wie vor einer Schlange; denn wenn du ihr zu nahe kommst, schnappt sie mit ihren Zähnen zu wie ein Löwe. Dann ist es um dein Leben geschehen! Jedes Unrecht wirkt wie ein zweischneidiges Schwert: Es hinterläßt Wunden, für die es keine Heilung gibt.

Frechheit und Vermessenheit lassen den Reichtum schwinden; so bringen überhebliche Menschen sich um Hab und Gut. Wenn die Armen beten, hört es GOTT, und schnell verhilft er ihnen zum Recht.

Wer die Zurechtweisung ablehnt, tritt in die Fußstapfen des Sünders; wer aber den HERRN ernst nimmt, nimmt auch die Zurechtweisung zu Herzen.

Wenn einer gut reden kann, merkt es jeder; aber wenn er etwas Falsches sagt, merkt es nur der Erfahrene.

Wer mit fremdem Geld sein Haus baut, ist wie einer, der Steine für seinen eigenen Grabhügel sammelt.

Eine Rotte von gewissenlosen Menschen ist wie ein Haufen Zunder, und ihr Ende ist loderndes Feuer. Der Weg, auf dem Sünder gehen, ist ein bequeme Straße; aber sie führt in den Abgrund der Totenwelt.

Weisheit und Torheit

Wer das Gesetz befolgt, der hat seine Gedanken in der Gewalt; den HERRN in jeder Hinsicht ernst zu nehmen, das ist Weisheit. Wer ungeschickt ist, den kann man nicht bilden; aber es gibt eine Geschicktheit, die viel Erbitterung hervorruft.

Das Wissen des Klugen wächst an wie ein Strom; sein Rat ist wie eine Quelle, die Leben spendet. Aber der Verstand eines gottesvergessenen Hohlkopfs ist wie ein gesprungener Krug: Er behält kein Wissen zurück.

Wenn ein Mann von Verstand einen klugen Ausspruch hört, dann sagt er: Das war gut! und fügt noch andere hinzu. Doch ein oberflächlicher Mensch findet keinen Geschmack daran und vergißt den Spruch, sobald er ihn gehört hat. Einem Dummkopf zuhören ist wie Wandern mit schwerem Gepäck; aber die Worte eines Klugen sind eine Wohltat. Was der Kluge zu sagen hat, darauf wird in der Gemeinde gehört; über seine Worte wird gründlich nachgedacht.

Dem Unwissenden erscheint Weisheit so nutzlos wie ein zerfallenes Haus; aber was er für Wissen hält, sind zusammenhanglose Sätze. Der Unvernünftige hält Bildung für ebenso hinderlich wie Handschellen und Fußeisen. Für den Verständigen ist Bildung wie ein schmückender goldener Armreif. Der Unwissende lacht lauthals, wo der Kluge leise lächelt. Ein unerzogener Dummkopf steckt den Kopf durch die Tür und rennt gleich ins Haus. Wer erfahren ist und sich benehmen kann, wartet bescheiden, bis er zum Eintreten aufgefordert wird. An der Tür lauschen ist ein Zeichen von Ungezogenheit; ein vernünftiger Mensch würde sich schämen, so etwas zu tun. Schwätzer wiederholen nur, was andere gesagt haben; erfahrene Leute wägen ihre Worte genau ab. Dummköpfe haben das Herz auf der Zunge; kluge Menschen denken, bevor sie reden.

Wenn ein Unheilstifter den Satan verflucht, dann verflucht er sich selbst. Wer über andere schlecht redet, verdirbt seinen eigenen Ruf; in seiner Nachbarschaft kann ihn keiner ausstehen.

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