Kapitel 30:

Über Kindererziehung

Wer seinen Sohn liebt, gibt ihm häufig den Stock zu spüren; dann kann er sich später über ihn freuen. Wer seinen Sohn gut erzieht, wird seine Freude an ihm haben und kann im Kreis der Bekannten stolz auf ihn sein. Wer seinem Sohn etwas beibringt, macht seine Feinde neidisch, und seinen Freunden gegenüber strahlt er vor Glück. Stirbt der Vater, so ist es, als sei er gar nicht gestorben; den er hat sein wahres Ebenbild hinterlassen. Solange er lebt, freut er sich beim Anblick seines Sohnes, und wenn er stirbt, hat er nichts zu bereuen. Er hinterläßt einen, der ihn an seinen Feinden rächen kann und seinen Freunden die verdiente Dankbarkeit erweist.

Wer seinen Sohn verwöhnt, muß ihm ständig unnötige Wunden verbinden, und beim kleinsten Schrei fährt ihm der Schreck in die Glieder. Ein gebändigtes Pferd wird störrisch, und ein Sohn, dem man die Zügel schießen läßt, wird unberechenbar. Sei zu zärtlich mit deinem Kind, und du wirst böse Überraschungen erleben. Mach dauernd Scherze mit ihm, und es wird dir Kummer machen. Deshalb lach nicht zuviel mit ihm, sonst mußt du später seinetwegen weinen oder vor Ärger mit den Zähnen knirschen. Solange es Kind ist, laß ihm nicht seinen Willen! Solange es klein ist, gib ihm tüchtig was hinten drauf, sonst wird es widerspenstig und gehorcht dir nicht mehr. Erzieh deinen Sohn und mach etwas Gutes aus ihm, damit er dir keine Schande macht!

Über die Gesundheit

Arm sein, aber gesund und kräftig, ist besser als reich sein, aber an allen möglichen Krankheiten leiden. Ein gesunder Körper ist besser als Gold und ein fröhlicher Sinn besser als Perlen. Kein Reichtum ist mehr wert als die Gesundheit und kein Glück größer als ein fröhliches Herz. tot sein und für immer Ruhe haben ist besser als ein elendes Leben mit nicht endender Krankheit. Was soll das beste Essen, wenn man zu krank ist, um den Mund aufzumachen? Ebensogut könnte man es auf ein Grab stellen. Was soll ein Götzenbild mit einem Speisopfer anfangen? Es kann doch weder essen noch riechen! Genauso geht es einem, dem der HERR mit Krankheit zusetzt. Er sieht das schöne Essen und seufzt, wie ein Eunuch, der ein Mädchen umarmt.

Gib dich nicht dem Trübsinn hin, quäle dich nicht selbst mit nutzlosem Grübeln! Freude und Fröhlichkeit verlängern das Leben des Menschen und machen es lebenswert. Überrede dich selbst zur Freude, sprich dir Mut zu und vertreibe den Trübsinn! Der hat noch nie jemand geholfen, aber viele hat er umgebracht. Eifersucht und Ärger verkürzen das Leben, und Sorgen machen vorzeitig alt. Ein fröhliches Herz sorgt für guten Appetit und auch für gute Verdauung.

Kapitel 31:

Über die Gefahren des Reichtums

Sorgen um den Reichtum vertreiben den Schlaf, und Schlaflosigkeit zehrt am Körper. Ständiges Sorgen läßt nicht zur Ruhe kommen und verhindert den Schlaf wie eine schwere Krankheit.

Der Reiche müht sich ab mit dem Sammeln von Geld und Gut, und wenn er sich ausruht, genießt er seinen Reichtum. Der Arme müht sich ab, um schlecht und recht leben zu können, und wenn er sich ausruht, muß er hungern.

Wer das Geld liebt, bleibt nicht schuldlos; wer immer reicher werden will, wird vom Reichtum verführt. Das Gold ist schon manchem zum Verhängnis geworden, ganz plötzlich sah er sich ruiniert. Für alle, die ihm verfallen sind, ist es eine Falle; jeder Unverständige gerät hinein.

Wie glücklich ist einer, der reich wird, ohne schuldig zu werden, weil er nicht hinter dem Geld her ist! Wo ist solch ein Mensch? Wir möchten ihm gratulieren; denn er hat ein Wunder vollbracht, das noch keinem gelungen ist. Wer diese Prüfung bestanden hat, darf stolz sein. Hat er eine Gelegenheit zum Sündigen gehabt und sie nicht genutzt? Konnte er jemand betrügen und hat es nicht getan? Dann wird sein Glück von Dauer sein, und in der Gemeinde wird man seine Wohltaten aufzählen.

Vom Maßhalten beim Essen und Trinken

Wenn du an einem reich gedeckten Tisch sitzt, dann laß nicht vor Staunen den Mund offenstehen und sag auch nicht: Das ist mehr, als ich essen kann! Denk daran, wie häßlich gierige Augen sind! von allem, was geschaffen wurde, ist nichts schlimmer als das Auge. Darum muß es auch so oft weinen! Streck nicht die Hand aus nach etwas, worauf dein Tischnachbar blickt; sonst stößt du mit seiner Hand in der Schüssel zusammen. Laß dir von deinem eigenen Gefühl sagen, was der andere empfindet, und überlege dir genau, was du tust! Was man dir vorsetzt, das iß wie ein Mensch! Schling es nicht in dich hinein, das kann niemand ausstehen! Zeig, daß du dich benehmen kannst, und hör als erster auf zu essen! Stopf dich nicht voll, sonst fällst du unangenehm auf! Wenn du mit mehreren zusammen bei Tisch sitzt, dann sei nicht der erste, der zulangt! Einer, der sich benehmen kann, braucht nicht viel, um genug zu haben. Wenn er sich dann schlafen legt, hat er auch keine Atembeklemmungen. Wer sich den Magen vollschlägt, bekommt Bauchschmerzen und kann nicht schlafen. Wer beim Essen bescheiden ist, hat einen gesunden Schlaf, wacht am Morgen früh auf und fühlt sich wohl. Wenn man dich genötigt hat, mehr zu essen, als du verträgst, geh nach draußen und brich es aus, dann fühlst du dich besser. Hör auf mich, mein Sohn, schlage meinen Rat nicht in den Wind! Eines Tages wirst du mir recht geben. Bei allem, was du tust, sei vernünftig, dann wirst du auch nicht krank!

Ein glänzender Gastgeber wird von allen gepriesen, ein ausgezeichneter Ruf ist ihm gewiß. Über einen knauserigen Gastgeber hingegen schimpft die ganze Stadt, sein Ruf ist genauso schlimm wie er selbst.

Spiel beim Weintrinken nicht den starken Mann; der Wein hat schon viele schwach gemacht. Wie der Glühofen gehärteten Stahl erprobt, so zeigt der Wein den Charakter überheblicher Menschen, die sich streiten. Der Wein kann dem Menschen Leben einflößen, wenn er ihn mäßig trinkt. Was wäre das Leben ohne Wein? Er war doch von Anfang an da, um uns zu erfreuen! Zur rechten Zeit und mäßig getrunken, gibt der Wein eine heitere Stimmung und ein fröhliches Herz. Doch im Übermaß getrunken, versetzt er in schlechte Laune, macht gereizt und streitsüchtig. Wenn ein Dummkopf betrunken ist, steigert sich sein Ärger zum öffentlichen Ärgernis. Sein Rausch nimmt ihm alle Kraft und bringt ihm außerdem noch Schläge ein. Wenn du zusammen mit einem anderen trinkst, mach ihm keine Vorhaltungen! Spotte nicht über ihn, wenn er in Stimmung geraten ist! Beschimpfe ihn nicht und komm ihm vor allem nicht mit den Schulden, die er dir zurückzahlen soll!

Seite zurück  |  Seite vor




Startseite
Buch Jubiläen
Buch Weisheit
Jesus Sirach
Vierte Esra
Buch Henoch

Inhalt
Die Bibel 4 You
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26