Kapitel 4:

Mein Sohn, bringe einen Armen nicht um das, was er zum Leben braucht. Und wenn seine Augen dich anflehen, dann laß ihn nicht vergebens warten! Laß einen Bedürftigen nicht hungern und kränke ihn nicht; er hat es schon schwer genug! Wenn jemand verbittert ist, dann verletze ihn nicht noch mehr. Laß keinen warten, der auf deine Hilfe angewiesen ist. Weise niemand ab, der sich in seiner Not an dich wendet. Sieh nicht weg, wenn ein Armer dich bittet; gib ihm keinen Grund, dich zu verfluchen! Denn wenn er so verzweifelt ist, daß er dich verflucht, wird sein Schöpfer den Fluch wahr machen.

Mach dich in der Gemeinde beliebt; verbeuge dich vor denen, die Autorität haben. Einem Armen aber höre besonders aufmerksam zu, antworte ihm freundlich und höflich! Befreie den Unterdrückten aus der Gewalt seines Unterdrückers, und sei nicht ängstlich, wenn du für das Recht eintrittst. Sorge für die Waisenkinder wie ein Vater und für ihre Mutter wie der Mann, den sie verloren hat. So erweist du dich als ein Sohn des Allerhöchsten; er wird dich mehr lieben als deine eigene Mutter.

Die Weisheit als Lehrerin

Die Weisheit bringt ihre Söhne zu Ehren; sie kümmert sich um alle, die sie suchen. Wer sie liebt, liebt das Leben. Wer ihretwegen früh aufsteht, erlebt viel Freude. Wer sie besitzt, kommt zu großen Ehren; jedes Haus, das er betritt, segnet der HERR. Alle, die der Weisheit dienen, dienen dem heiligen GOTT; er liebt jeden, der die Weisheit liebt. Wer auf sie hört, wird über die Völker zu Gericht sitzen. Wer sich an sie hält, lebt in Sicherheit. Wer ihr vertraut, erhält sie zum Besitz und wird sie an seine Kinder weitergeben.

Anfangs führt dich die Weisheit auf gewundenen Pfaden. Sie erschreckt dich so sehr, daß du Angst hast weiterzugehen. Ihre strenge Erziehung ist eine Qual für dich. Mit ihren Forderungen stellt sie dich so lange auf die Probe, bis sie dir völlig vertrauen kann. Dann aber kommt sie auf dem geradesten Weg zu dir, enthüllt dir ihre Geheimnisse und erfüllt dich mit Freude. Doch wenn du von ihrem Weg abweichst, zieht sie sich zurück und läßt dich in dein Verderben laufen.

Mut zur Wahrheit

Denke daran, in was für eine Zeit du lebst, und hüte dich, etwas Verkehrtes zu tun! Du sollst dich doch nicht vor dir selber schämen müssen! Es gibt eine Scheu, die dich schuldig werden läßt, und eine andere Scheu, die dir Ruhm und Ehre einbringt. Sei unparteiisch, sonst schadest du dir selbst. Laß dich nicht von deiner eigenen Scheu zu Fall bringen! Wenn der Augenblick es erfordert, mach den Mund auf und rede! Du brauchst dein Wissen nicht zu verstecken. Ob du Weisheit und Bildung besitzt zeigt sich an dem, was du sagst. Auf keinen Fall widersprich der Wahrheit! Scheu dich zu reden, wenn du nicht Bescheid weißt. Aber scheu dich nicht, deine Verfehlungen zu bekennen; es wäre sinnlos, den Lauf eines Flusses aufhalten zu wollen. Laß dich nicht von einem dummen Menschen beherrschen, und von einem mächtigen laß dich nicht einschüchtern! Kämpfe für die Wahrheit unter Einsatz deines Lebens; GOTT, der HERRN wird selbst den Kampf für dich führen.

Sei nicht voreilig mit Worten, aber auch nicht faul und träge mit Taten! Benimm dich vor deinen Hausgenossen nicht wie ein Löwe, aber auch nicht wie ein Gespensterseher! Wenn du die Hand zum Nehmen öffnest, dann schließe sie nicht, wenn es ums Geben geht!

Kapitel 5:

Über trügerische Sicherheit

Verlaß dich nicht auf deinen Reichtum; bilde dir nicht ein, daß er dich unabhängig macht. gib nicht jedem Wunsch nach, den du dir erfüllen kannst; du mußt nicht alles haben, was du begehrst. Rede dir nicht ein, niemand habe Macht über dich. Der HERR sorgt für das Recht und wird es auch bei dir durchsetzen. Denke nicht: Ich habe zwar Unrecht begangen, aber es ist mir nichts geschehen. Der HERR läßt sich Zeit! Du solltest dir nicht so sicher sein, daß er dir alles vergibt und du deshalb ruhig Schuld auf Schuld häufen kannst. Rede dir nicht ein: Sein Erbarmen ist grenzenlos; darum wird er mir meine viele Sünden schon vergeben. Es ist wahr: Bei ihm ist viel Erbarmen - aber auch Zorn! Und den bekommen die Sünder zu spüren. Deshalb kehre schnelle wieder zum HERRN zurück! Verschieb es nicht von einem Tag auf den anderen! Sein Zorn kann dich ganz plötzlich treffen, und dann bist du verloren! Verlaß dich nicht auf deinen Reichtum, erst recht nicht, wenn du ihn durch Unrecht erworben hast. Er wird dir nichts nützen wenn GOTTES Hand zuschlägt.

Über verantwortliches Reden

Häng deinen Mantel nicht nach dem Wind und tanze nicht auf jeder Hochzeit; beides tun doppelzüngige, charakterlose Menschen. Bleibe entschieden bei deiner Überzeugung und steh zu dem, was du sagst. Sei immer bereit zu hören, aber laß dir Zeit mit der Antwort! Antworte einem anderen nur, wenn du weißt, wovon du redest; sonst halte lieber den Mund! Was du sagst, kann dir Ehre oder Schande einbringen; deine Zunge kann dir sogar zum Verderben werden. Sorge dafür, daß man dich nicht einen Verleumder nennt; stifte mit deiner Zunge kein Unheil! Ein Dieb erntet Schande; doch den Doppelzüngigen trifft ein strenges Urteil.

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