Kapitel 11:

Verdorbenes Nilwasser - frisches Felsenwasser

Die Weisheit stand deinem Volk, HERR, bei durch einen heiligen Propheten, so daß den Deinen alles gelang, was sie unternehmen. Sie wanderten durch weglose Wüsten und schlugen in unbewohnter Einöde ihre Zelte auf. Sie wehrten sich gegen Feinde und blieben Sieger. Sie waren am Verdursten, da riefen sie zu dir um Hilfe, und du gabst ihnen Wasser aus dem hochragenden Felsen; aus hartem Stein kam die Erquickung für ihren Durst. So erlebten sie, daß sie mitten in ausweglos erscheinender Not genau an dem Punkt Hilfe erfuhren, an dem ihre Feinde von deiner Strafe getroffen worden waren.

Während du nämlich - als Strafe für den Befehl zum Mord an den Neugeborenen - das Wasser des Nilstroms durch ekliges Blut ungenießbar gemacht hattest, gabst du deinem Volk in der Wüste unverhofft Wasser in Fülle zu trinken. Du hattest sie aber vorher Durst leiden lassen, um ihnen zu zeigen, wie du mit deinen Feinden umgehst. Denn als du sie durch ihren eigenen Durst auf die Probe stelltest und auf schonende Weise zurechtwiesest, ging ihnen auf, wie schrecklich du in deinem Zorn deine Feinde bestrafst hattest. Dein eigenes Volk wolltest du nur wie ein Vater mit sanften Schlägen auf den rechten Weg bringen; über die Ägypter dagegen hast du wie ein strenger König dein Strafgericht verhängt. Sie wurden sogar zweifach gequält: als die Israeliten noch im Land waren, durch den Durst selbst, und nachdem sie weggezogen waren, durch die Erinnerung daran. Denn sie stöhnten auf, als sie hörten, daß an dem Punkt, an dem sie so hart gestraft worden waren, den anderen eine so unverhoffte Wohltat zuteil wurde. Da erkannten sie, daß du, HERR, am Werk warst. Den Mann aber, den sie einst verstoßen und dem sicheren Tod ausgesetzt hatten, den sie verspottet und abgelehnt hatten, mußten sie am Ende bewundern; denn es war offenkundig, daß sie selbst viel mehr Durst gelitten hatten als die Frommen.

Tiere als Strafe - Tiere als Wohltat

In Ihrem Unverstand und ihrer Verdorbenheit haben sich deine Feinde, HERR, so weit verirrt, daß sie vernunftlose Reptilien und anderes armseliges Getier anbeteten. Zur Strafe dafür plagtest du sie mit einem Heer von vernunftlosen Tieren. Sie sollten erkennen: Womit einer sich verfehlt, damit wird er auch gestraft.

GOTTES Macht als Grund seiner Güte

Du, HERR, hättest natürlich andere Mittel gehabt, um sie zu strafen. In deiner Hand ist alle Macht; du hast ja die ganze Welt aus ungeformtem Stoff geschaffen. Du hättest ihnen zur Strafe also auch massenhaft Bären oder grimmige Löwen schicken können, hättest sogar neue Tiere von unbekannter Wildheit erschaffen können, Bestien, die mit dem Atem Flammen oder übelriechende Dämpfe aushauchen oder aus deren Augen gefährliche Funken sprühen. Ihr schrecklicher Anblick hätte schon genügt, deine Feinde zu vernichten, es hätte ihrer Zerstörungsmacht gar nicht bedurft. Ja, du hättest sie auch durch einen einzigen Hauch niederwerfen können, wenn du das Strafgericht gegen sie entfesselt und sie mit deinem mächtigen Atem hinweggefegt hättest.

Aber das ist nicht deine Art. Du hast alle Dinge nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet. Du kannst jederzeit deine unvergängliche Macht beweisen, und niemand kann sich dir entgegenstellen. Die ganze große Welt ist in deinen Augen nicht mehr als ein Stäubchen auf der Waagschale oder ein Tropfen Tau, der am Morgen auf die Erde fällt. Aber weil deine Macht so unendlich ist, hast du mit allen Erbarmen. Du siehst über die Verfehlungen der Menschen hinweg und gibst ihnen Zeit, umzukehren und sich zu bessern. Du liebst alles, was besteht, und nicht von dem, was du gemacht hast, ist dir zuwider. Du hast es ja nicht im Zorn erschaffen! Wäre etwas entstanden, das du nicht gewollt und ins Dasein gerufen hast, es hätte gar nicht bestehen können. Nein, alles ist dein Eigentum; darum pflegst und bewahrst du es auch, HERR, du Freund des Lebens! Denn in allem Vergänglichen ist ein unvergänglicher Geist.


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