Kapitel 2:

In ihrer Verblendung sagen sie zueinander: Unser Leben ist kurz und sorgenvoll. gegen das Sterben gibt es kein Heilmittel, und wir kennen niemand, der aus der Totenwelt retten kann. Durch blinden Zufall sind wir entstanden, und wenn wir tot sind, ist es, als wären wir nie gewesen. Unser Atem ist nur ein Dunst, der sich rasch wieder auflöst. Unser Bewußtsein ist ein Funke, der vom Schlag unseres Herzens entfacht wird. Wenn der Funke verlöscht, zerfällt unser Leib zu Staub, und der Geist verflüchtigt sich wie ein Hauch. Unser Name und unsere Taten sind bald vergessen. Unser Leben zieht vorüber wie eine Wolke, die keine Spur hinterläßt; es löst sich auf wie ein Nebel, den die Sonne vertreibt und mit ihren Strahlen zu Boden drückt. Flüchtig wie ein Schatten ist unser Leben, und es gibt keine Wiederholung. Unser Schicksal ist besiegelt; keiner kommt wieder zurück.

Darum laßt uns das Leben und seine Güter genießen, so unbekümmert, wie es die Jugend tut! Wir wollen alles auskosten, was uns die Welt bietet. An erlesenem Wein und Salböl soll nicht gespart werden, keine Blume des Frühlings soll ungepflückt bleiben. Wir wollen uns mit Rosen bekränzen, ehe sie verwelken. Wir ziehen jeden in unser fröhliches Treiben hinein und lassen überall Spuren unserer Ausgelassenheit zurück. Das ist unser gutes Recht, so hat das Schicksal es uns bestimmt!

Auf, wir wollen die Armen ausbeuten, die nach GOTTES Geboten leben! Wir haben kein Mitleid mit der Witwe und keinen Respekt vor dem grauen Haar des Greises. Wer die Macht hat, bestimmt, was recht ist. So halten wir es! Was schwach ist, hat keinen Wert. Auf, wir fallen über diesen Frommen her! Er hindert uns und stellt sich unserem Treiben in den Weg. Er rechnet uns vor, wie oft wir das Gesetz übertreten; er wirft uns vor, daß wir unsere gute Erziehung verraten. Er brüstet sich damit, GOTT zu kennen, und nennt sich seinen Diener. Er ist ein wandelnder Vorwurf für unsere ganze Denkweise; sein Anblick ist nicht zu ertragen! Er lebt völlig anders als alle übrigen Menschen. Uns behandelt er wie Falschgeld; er hält sich von uns fern, als wären wir Dreck. Er preist in den höchsten Tönen, was für ein herrliches Los am Ende auf die Frommen wartet. Er prahlt damit, daß GOTT sein Vater sei.

Wir wollen einmal die Probe machen, ob er recht hat! Wir werden ja sehen, wie es ihm am Ende ergeht. Wenn er wirklich GOTTES Sohn ist, soll der ihm helfen und ihn vor seinen Feinden schützen. Wir wollen ihn quälen, ihn unsere Macht spüren lassen, dann werden wir sehen, wie weit seine Geduld und Sanftmut reicht! Wir verurteilen ihn zu einem unehrenhaften Tod - er wird ja gerettet werden, behauptet er!

Die Hoffnung der Frommen

So reden sie, aber sie täuschen sich! Ihre Verdorbenheit macht sie blind. Sie wissen nichts von GOTTES geheimen Absichten; sie rechnen nicht damit, daß er die Frommen belohnt und eine Auszeichnung bereithält für alle, die ihm gehorchen. GOTT hat die Menschen für ein unvergängliches Leben geschaffen; nach seinem eigenen Bild, dem Bild des ewigen GOTTES, hat er sie gemacht. Erst der Neid des Teufels brachte den Tod in die Welt; und dem Tod verfallen alle, die auf seiner Seite stehen.


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