Kapitel 4:

Kinderlosigkeit, die sich mit einem vorbildlichen Leben verbindet, ist besser als der größte Kinderreichtum. Ihr Ruhm ist unvergänglich, bei GOTT und bei Menschen steht sie in höchstem Ansehen. Wo man solche Kinderlosigkeit antrifft, ahmt man sie nach; wo sie fehlt, sehnt man sich nach ihr. Bei GOTT in der Ewigkeit schreitet sie bekränzt umher, weil sie im Wettkampf um einen unverwelklichen Kampfpreis den Sieg davongetragen hat.

Den Menschen aber, die nicht nach GOTT fragen, können auch ihre vielen Kinder nichts nützen. Denn die sind wie schlechte Steckreiser, die keine richtige Wurzel haben. Sie mögen einen Zeitlang emporschießen und üppige Zweige bilden; aber dann packt sie der Sturm und entwurzelt sie. Noch ehe ihre Äste voll ausgewachsen sind, werden sie ringsum abgeknickt, ihre Früchte bleiben unreif und sind für nichts zu gebrauchen. Kinder aus einer Verbindung, die nach GOTTES Gesetz unrechtmäßig ist, werden vor dem Gericht GOTTES zu Zeugen für das schändliche Tun ihrer Eltern.

Neubewertung eines frühen Todes

Wenn einer, der nach GOTTES Geboten lebt, einen frühen Tod erleidet, geht er in die ewige Seligkeit ein. Alter bringt Ehre, heißt es; aber was wirklich Ehre bringt, mißt sich nicht nach der Zahl der Jahre. Verständig sein ist so gut wie graues Haar, und ein untadeliges Leben ist soviel wert, wie hohes Alter. So wurde einst ein Mann, an dem GOTT seine Freude hatte, von ihm aus der Welt genommen. Weil GOTT ihn liebte, holte er ihn aus den Sündern, unter denen er leben mußte, heraus. Er wollte verhüten, daß seine gute Gesinnung durch schlechten Einfluß verdorben würde und er der Macht der Verführung zum Opfer fiele. Denn der Reiz, der vom Bösen ausgeht, macht blind für das Gute; der Taumel der Lust betört auch den aufrechten Sinn. Obwohl sein Leben so kurz war, wiegt es ein volles Menschenleben auf. Der HERR hatte Freude an ihm, deshalb nahm er ihn so früh aus dieser bösen Welt. Die Menschen sahen es, aber sie begriffen es nicht und nahmen es nicht zu Herzen. Sie erkannten nicht, daß GOTT sich über seine Erwählten erbarmt und seine Frommen reich belohnt.

So kommt es, daß der verstorbene Fromme zum Richter wird für den noch lebenden Spötter, daß die frühvollendete Jugend des Guten das ehrwürdige Alter des Bösen schuldig spricht. Die Menschen, die nicht nach GOTT fragen, werden sehen, wie der Fromme stirbt; aber sie werden nicht verstehen, was GOTT dabei im Sinn hat, sie werden nicht begreifen, daß der HERR ihn in Sicherheit bringen wollte. Sie sehen es und zucken die Achseln; aber der HERR wird über sie lachen. Wenn sie sterben, wird man ihren Leichen keine Ehre erweisen, in alle Ewigkeit wird man sie in der Totenwelt verspotten. Der HERR wird den Boden unter ihren Füßen zittern lassen und sie von ihren Sockeln stürzen, daß es ihnen die Sprache verschlägt; sie geraten in äußerste Not, sie müssen Qualen erleiden, sie werden mit all ihren Angehörigen vollständig ausgelöscht.

Fromme und Gottesfeinde im letzten Gericht

Wenn GOTT sie zur Abrechnung über ihre Sünden rufen läßt, werden sie zitternd herbeikommen, und ihre Untaten werden ihnen entgegentreten und sie schuldig sprechen.


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