Kapitel 9:

Salomos Gebet um Weisheit

Ich betete: HERR, du GOTT meiner Vorfahren, du GOTT voll Erbarmen! Durch dein Wort hast du das Weltall geschaffen, durch deine Weisheit den Menschen ins Dasein gerufen. Du hast ihm den Auftrag gegeben, über deine Geschöpfe zu herrschen, die Schöpfung nach deinen guten Weisungen zu bewahren und unbestechlich über dem Recht zu wachen. Gib mir die Weisheit, die mit dir den Thron teilt! Schließ mich nicht aus von deinen Kindern! Ich bin nur ein Sklave, deine Sklavin hat mich geboren; ein schwacher Mensch bin ich, dem ein kurzes Leben zugemessen ist. Ich verstehe mich viel zu wenig auf Recht und Gesetz. Selbst wenn ein Mensch vollkommen wäre, wäre er nichts ohne die Weisheit, die von dir kommt. Du aber hast mich sogar zum König deines Volkes bestimmt, zum Richter über deine Söhne und Töchter. Du hast mir den Auftrag gegeben, auf deinem heiligen Berg und in der Stadt, in der du wohnst, dir Tempel und Altar zu bauen - nach dem Vorbild des heiligen Zeltes, das du am Anfang der Welt gebildet hast.

Bei dir, HERR, wohnt die Weisheit, die alle deine Werke kennt; denn sie war dabei, als du die Welt geschaffen hast. Sie kennt auch deinen Willen und weiß, was nach deinen Geboten recht und gut ist. Sende sie herab aus deinem Himmel, schicke sie mir von deinem Thron, damit sie mir hilft und ich begreifen lerne, was in deinen Augen gut ist. Denn sie weiß und versteht alles. Sie wird mich leiten, damit ich umsichtig handle, und wird mich durch ihren leuchtenden Glanz vor Irrtum bewahren. Dann werden meine Taten dir, HERR, gefallen. Ich werde dein Volk gerecht regieren und ein würdiger Nachfolger auf dem Thron meines Vaters sein.

Welcher Mensch ist denn fähig, deinen Willen zu erkennen und zu wissen, was du, HERR, von ihm forderst? Unser Denken ist schwach und armselig, die Schlüsse, die wir ziehen, sind unsicher. Denn unser vergänglicher Leib hängt sich wie ein Bleigewicht an die Seele und erfüllt unser Denken mit irdischen Sorgen. Wir begreifen kaum die Dinge auf dieser Erde; wir verstehen nur mit Mühe, was wir doch mit den Händen anfassen können. Wie könnten wir da ergründen, was im Himmel ist? Kein Mensch kann deinen Willen erkennen, wenn du ihm nicht Weisheit gibst und vom Himmel deinen heiligen Geist zu ihm herabschickst.

Und so ist es auch geschehen: Durch deine Weisheit hast du die Menschen auf der Erde den rechten Weg geführt und ihnen gezeigt, was dir gefällt. Durch die Weisheit hast du ihnen Rettung gebracht.


Kapitel zurück  |  Kapitel vor




Startseite
Buch Jubiläen
Buch Weisheit
Jesus Sirach
Vierte Esra
Buch Henoch

Inhalt
Die Bibel 4 You
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19